Die aktuellen Zahlen für Oberösterreich zum Jahreswechsel 2025/2026 klingen nämlich nach einem echten Paradoxon. Laut AMS-Monatsinfo (Stand Dezember 2025) haben wir in unserem Bundesland 16.968 gemeldete offene Stellen. Gleichzeitig sind aber 45.993 Menschen als arbeitslos vorgemerkt. Was oberflächlich wie ein Widerspruch wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein massives „Passungsproblem“. Es ist die Schere zwischen dem, was die Wirtschaft braucht, und dem, was das Leben der Menschen zulässt.
Die nackten Zahlen und was sie uns verschweigen
Obwohl Oberösterreich das Jahr 2025 als einziges Bundesland mit einer leicht rückläufigen Arbeitslosenquote beendet hat, ist der Druck für einzelne Gruppen deutlich gestiegen. Besonders alarmierend: Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Personen ist auf 10.804 geklettert – ein sattes Plus von 22,7 %. Das ist ein Warnsignal. Es zeigt, dass „Abwarten“ am aktuellen Markt die riskanteste Strategie ist.
Ein Blick in unsere Bezirke verdeutlicht die Lage: Während in Freistadt 1.205 Arbeitslose auf 367 offene Stellen kommen und in Perg 1.724 Suchende auf 489 Jobs treffen, sieht es in Rohrbach mit 842 Arbeitslosen zu 535 Stellen fast ausgeglichen aus. Im Linzer Zentralraum (inklusive Urfahr-Umgebung) ist die Dynamik noch einmal eine ganz andere: Hier ballen sich fast 12.000 Suchende und knapp 4.000 offene Stellen.
Aber warum finden sie nicht zueinander?
Wenn der Job nicht zum Leben passt
Ein offener Job ist kein Standardpaket, das jedem passt. Im Mühlviertel scheitert das „Perfect Match“ meist an drei harten Faktoren: Erstens ist da die Zeit-Falle. Schichtarbeit, Wochenenddienste oder starre Arbeitszeiten lassen sich oft nicht mit der Kinderbetreuung oder dem Privatleben vereinbaren. Zweitens die Qualifikations-Lücke. Viele Unternehmen suchen extrem spezifisch – bestimmte Zertifikate oder Maschinenkenntnisse werden vorausgesetzt. Wer das Können zwar hat, aber nicht schwarz auf weiß belegen kann, wird oft vorschnell aussortiert. Und drittens, der wohl größte „Türsteher“ im Mühlviertel: die Erreichbarkeit. Ohne Auto oder mit schlechter Busanbindung wird die Suche am Land schnell zum Hindernisrennen. Ein Job ist nur dann gut, wenn man auch zuverlässig hinkommt.
Wo die Chancen jetzt wirklich liegen
Die meisten freien Stellen gibt es aktuell in der Arbeitskräfteüberlassung (5.491), in der Produktion (2.445) und im Handel (2.108). Doch Vorsicht: Im Handel und im Gesundheitswesen sind die offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr massiv zurückgegangen. Das bedeutet für dich: Die „richtig guten“ Stellen sind umkämpfter als früher. Wer heute wechseln will, muss strategisch vorgehen.
Wenn du gerade auf der Suche bist, mach es dir leichter: Such nicht nur nach starren Jobtiteln, sondern nach Tätigkeiten wie „Lager“, „Montage“ oder „Organisation“. Die 80-Prozent-Regel wirkt Wunder: Bewirb dich, wenn du den Großteil der Anforderungen erfüllst – den Rest kannst du lernen. Ein kleiner Tipp für den Lebenslauf: Setz eine 5-Zeilen-Box ganz nach oben, in der du sofort klarstellst, welche 3 Dinge du perfekt beherrschst und welches Zeitmodell für dich fix ist. Das spart beiden Seiten Zeit und schafft Klarheit.
Wenn du gerade in einem Job bist und überlegst zu wechseln: Du bist in einer starken Position, weil du nicht „musst“. Nutze diesen Vorteil, um die harten Fragen früh zu stellen. Wie sieht eine normale Woche wirklich aus? Wie flexibel ist der Dienstplan bei privaten Notfällen? Schreib dir auf, was dich aktuell nervt, und such gezielt nach Betrieben, die genau dort ihre Stärken haben.
Die Lage für sich nutzen
Der Arbeitsmarkt im Mühlviertel ist in Bewegung. Die Unternehmen werden wählerischer, aber die Talente werden seltener. Der Schlüssel zum Erfolg ist heute die aktive „Passung“. Warte nicht darauf, dass der perfekte Job an deine Tür klopft, sondern gestalte deine Bewerbung so, dass ein Arbeitgeber sofort sieht: Das ist die Lösung für mein Personalproblem.
Egal ob du den ersten Schritt zurück ins Berufsleben wagst oder dich aus einer sicheren Position heraus verbessern willst – das Mühlviertel bietet mehr Möglichkeiten, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Man muss nur wissen, wo man sucht und wie man sich präsentiert.
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