Windkraft ist im Mühlviertel längst mehr als ein Energie-Thema. Es ist ein Standort-Thema – und eines, das spaltet: Während manche Gemeinden und Betriebe auf regionale Energie und Wertschöpfung setzen, formieren sich andernorts Bürgerinitiativen und es kommt zu Abstimmungen, Debatten und Widerstand.
Gleichzeitig ist klar: Rund um Windkraftprojekte entsteht ein komplett neuer Job-Markt – von Planung über Bau bis Wartung. Und der ist nicht „irgendwo“, sondern sehr konkret in Freistadt, Urfahr-Umgebung, Perg und Rohrbach sichtbar.
Was gerade passiert: Projekte, Verfahren, Konflikte
In Oberösterreich laufen mehrere Windkraftprojekte durch Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) – drei davon im Mühlviertel.
Zwei Beispiele, die in der Region besonders diskutiert werden:
Windpark Königswiesen: seit Ende Juni 2024 im UVP-Verfahren, geplant sind 10 Anlagen mit 72 MW.
Windpark Sandl: eingereicht im November 2024, geplant sind 19 Anlagen (127 MW) – gleichzeitig ist rechtlich umstritten, ob das Projekt wegen geplanter Zonenregelungen realisiert werden kann.
Und: Es gibt auch klare Ablehnung. In Grünbach (Bezirk Freistadt) stimmten bei einer Volksbefragung rund 60 % gegen die Errichtung von Windrädern.
Diese Gemengelage (Projektpipeline + Zonierung + lokale Entscheidungen) sorgt dafür, dass Windkraft im Mühlviertel nicht „einfach gebaut“ wird – sondern verhandelt: politisch, rechtlich, emotional.
Warum die Diskussion so intensiv ist
Zwei Dinge treffen aufeinander:
Energie- und Klimaziele (mehr regionale Erzeugung, weniger Abhängigkeit) – mit Druck auf Tempo und Flächen.
Schutzinteressen & Akzeptanz (Landschaft, Natur, Tourismus, Lebensqualität) – plus die Frage: Wer profitiert vor Ort eigentlich konkret?
Ein Punkt, der dabei immer wichtiger wird: Beteiligung & Ausgleich für Gemeinden. Manche Projektträger arbeiten mit Kompensations- bzw. Beteiligungsmodellen, damit Wertschöpfung in der Region bleibt.
Der spannende Teil für Jobsuchende: Wo entstehen die neuen Jobs wirklich?
Wenn man „Windpark“ hört, denken viele nur an Bauarbeiter und Techniker am Turm. In Wahrheit entstehen Jobs entlang einer ganzen Kette – und viele davon passen perfekt zum Mühlviertel (Handwerk, Technik, Bau, Organisation).
1) Planung & Genehmigung (oft über Jahre)
Hier entstehen Jobs, bevor überhaupt ein Kran steht:
Projektassistenz / Projektkoordination
Vermessung / Geoinformation
Umweltplanung (Natur, Wald, Artenschutz, Lärm, Schatten)
Stakeholder- & Bürgerdialog / Kommunikation
Recht & Genehmigungsmanagement (UVP, Widmung, Verträge)
Warum relevant? Weil Projekte in OÖ gerade stark über UVP, Zonierung und Dialog laufen – das erzeugt laufend Bedarf an diesen Rollen.
2) Bauphase: klassische Mühlviertler Stärken
In der Bauphase kommen viele regionale Gewerke ins Spiel:
Tiefbau, Fundamente, Beton, Schalung
Metallbau, Schlosserarbeiten, Montage
Elektriker: Mittelspannung, Trafostationen, Verkabelung
Forst & Wegebau (Zufahrten, Logistikflächen)
Logistik/Transport, Kran- & Hebetechnik, Sicherheitskoordination (HSE)
3) Betrieb & Wartung: langfristige, stabile Jobs
Nach der Inbetriebnahme beginnt der „dauerhafte“ Jobteil:
Servicetechniker (Mechanik/Elektrik)
Instandhaltung & Ersatzteilmanagement
Leitwarte/Monitoring (SCADA), Fehleranalyse
Inspektionen, Sicherheits- und Rettungstrainings (Höhenarbeit)
Das ist für viele der spannendste Punkt: Diese Jobs bleiben, auch wenn die Bauphase vorbei ist.
Welche Skills zahlen sich jetzt aus?
Wenn du dich „windkraftfit“ machen willst, sind diese Profile besonders gefragt:
Elektrotechnik / Energietechnik (Netz, Schaltanlagen, PV/Wind/ Speicher-Umfeld)
Mechatronik / Maschinenbau (Antriebe, Sensorik, Diagnose)
Bau/Statik/Tiefbau (Fundamente, Infrastruktur)
Projektmanagement (Bauleitung, Termin-/Kostensteuerung)
Sicherheitskompetenz (Arbeitssicherheit, PSA, Höhenarbeit – je nach Rolle)
Und wichtig: Du musst nicht „Windkraft studiert“ haben. Viele steigen aus klassischem Handwerk/Industrie ein – entscheidend ist, dass du technisch sauber bist und verlässlich arbeitest.
Ein ehrlicher Realitätscheck für die Region
Windkraft wird im Mühlviertel nicht „über Nacht“ Standard – dafür sind Zonierung, Verfahren und lokale Entscheidungen zu prägend.
Aber: Genau diese Situation sorgt dafür, dass rund um das Thema mehr gebraucht wird als nur Technik:
Menschen, die Projekte organisieren können
Fachkräfte, die sauber bauen und sicher warten
Leute, die Kommunikation und Planung professionell machen
Heißt unterm Strich: Auch wenn einzelne Projekte scheitern oder sich verzögern, wächst das Berufsfeld.



