Freitag frei im Handwerk? Wie die 4-Tage-Woche das Mühlviertel umkrempelt

Die 4-Tage-Woche kommt ins Mühlviertel. Realitätscheck: mehr Lebensqualität oder mehr Druck? So setzen Betriebe das Modell um.

Karriere & WeiterbildungZuletzt aktualisiert am 02 Jan 2026

Das Mühlviertel gilt seit Generationen als Region der „Fleißigen“. Wer hier aufwächst, lernt früh: Von nichts kommt nichts. Die Holzknecht-Mentalität steckt uns in den Knochen – wir packen an, wir bauen, wir halten zusammen.

Aber Fleiß heißt längst nicht mehr automatisch: fünf Tage Präsenz, 40 Stunden „weil’s immer schon so war“. In Rohrbach, Freistadt, Perg und Urfahr-Umgebung setzen immer mehr Handwerksbetriebe auf ein Modell, das früher undenkbar war: die 4-Tage-Woche im Handwerk – als Antwort auf Fachkräftemangel, Abwanderung und den Wunsch nach mehr Planbarkeit.

Warum gerade im Mühlviertel?

Bei uns arbeitet kaum jemand „nur“ in seinem Job. Viele sind bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Musikverein, am Hof, auf der Baustelle bei Freunden oder mitten im eigenen Hausbau. Und wer täglich pendelt, weiß: Zeit ist im Mühlviertel eine harte Währung.

Die 4-Tage-Woche trifft hier einen Nerv. Es bedeutet nicht „weniger hackln“, sondern eher eine klügere Verteilung. Ein zusätzlicher freier Tag ist für viele genau das Stück Lebensqualität, das den Unterschied macht.

4-Tage-Woche im Handwerk: Welche Modelle funktionieren?

Wenn im Mühlviertler Handwerk von 4 Tagen die Rede ist, geht’s meist nicht um weniger Stunden bei vollem Lohnausgleich, sondern um eine Umverteilung.

Ein typisches, praxistaugliches Modell:

  • Montag bis Donnerstag: früher starten, länger bleiben (z. B. 9–10 Stunden)

  • Freitag: frei – oder nur Notfälle/Bereitschaft im Wechsel

  • Wochenstunden: häufig 36 bis 40 Stunden in vier Tagen

Viele sagen: Zehn Stunden klingen viel – aber im Sommer sind lange Tage zB. am Bau ohnehin keine Seltenheit.

Der Unterschied ist: Man weiß, wofür man’s macht.

Praxisbeispiel

Ein Metallbaubetrieb im Bezirk Freistadt merkt, dass einige seiner besten Mitarbeiter zu Industriebetrieben wechseln, weil dort Schichtmodelle, planbare Freizeit und oft ein früherer Feierabend am Freitag locken. Deshalb stellt der Betrieb sein Arbeitszeitmodell um:

Donnerstagabend kommen die Montagewägen zurück – Freitag bleibt die Werkstatt zu (außer Bereitschaft im Wechsel).

Was sich nach einem Jahr zeigt:

  • mehr Motivation im Team

  • weniger Ausfälle/Krankenstände

  • stabile Produktivität

  • bessere Bewerbungen von Fachkräften

Warum das funktionieren kann? Weil ein typischer „verzettelter“ Freitag oft nur aus Anfahrt, Rüstzeit, Material organisieren und wieder einpacken besteht. Wenn diese Wege wegfallen, wird die Woche insgesamt effizienter.

Die Vorteile fürs Granitland

1) Weniger Pendelstress, falls man eine längere Anfahrt zur Arbeit hat.

Vier statt fünf Tage fahren heißt: ein Tag weniger Kilometer, weniger Sprit, weniger Zeit im Auto. Wer regelmäßig über B127, B126 oder S10 unterwegs ist, spürt das sofort.

2) Attraktiver für junge Fachkräfte

Viele Absolventen aus HTL und Berufsschule schauen längst nicht nur aufs Gehalt. Planbarkeit und Freizeit sind echte Argumente.

Eine 4-Tage-Woche macht selbst kleine Unternehmen plötzlich richtig spannend.

3) Mehr Raum fürs Ehrenamt

Wenn der Polier am Freitagvormittag beim Feuerwehrfest helfen kann, ohne Urlaub zu nehmen, gewinnt nicht nur der Mitarbeiter – sondern die ganze Gemeinde. Das Ehrenamt ist bei uns kein „Hobby“ sondern Teil unserer Identität.

Wo liegen die Stolpersteine – und wie lösen Betriebe sie?

Natürlich: Eine 4-Tage-Woche ist kein Selbstläufer. Sie steht und fällt mit der richtigen Planung.

Kundenkommunikation: „Wie, ihr kommt am Freitag nicht?“

Lösung aus der Praxis: klare Regeln.

  • fixe Kernzeiten Mo–Do

  • Bereitschaft am Freitag im Rotationssystem (für Notfälle)

  • saubere Abstimmung vor Projektstart

Wenn Qualität und Verlässlichkeit passen, akzeptieren Kunden im Mühlviertel neue Modelle meist schneller, als man glaubt.

Körperliche Belastung: 10-Stunden-Tage

Lösung: nicht „durchbeißen“, sondern gescheit steuern.

  • verbindliche Pausen-Regeln

  • ergonomische Hilfsmittel (Hebehilfen, bessere Logistik)

  • je nach Saison flexible Varianten (z. B. Winter anders als im Sommer)

Das Ziel ist nicht, den Freitag zu „erkaufen“ – sondern Gesundheit und Leistung langfristig zu halten bzw. zu verbessern.

Viele Betriebe berichten, dass Digitalisierung hilft: bessere Einsatzplanung, digitale Baustellenorganisation, weniger Chaos, weniger doppelte Wege.

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